Bitte berühren!

Skulpturen von Walter Green

23. November 2022 bis 14. Januar 2023
Ausstellungskapelle der Kreuzkirche
Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten der Kreuzkirche  besichtigt werden.

Bitte berühren

Haferbrei, Matsch oder Schulbänke – die Lieblingsmaterialien, um sich auszudrücken, ändern sich: Zur Zeit sind es Eichenbalken aus Abbruchhäusern. Die Balken haben eine lange Geschichte hinter sich: Eine kleine Eichel wandelte sich zu einem gewaltigen Eichenbaum; aus dem wurde ein Haus gebaut. Nach Jahrhunderten des häuslichen Dienens sind die Balken irgendwann aus ihrer Funktion befreit. In neuer Form stehen sie jetzt als „nutzlose” Skulpturen vor uns.

Bei der Bearbeitung wird unter einer Schicht aus Staub, Nägeln und Vergangenheit die interessante, faltenreiche Haut des Balkens sichtbar. Diese, von Zimmerleuten, Pilzen und Insekten, von der Sonne und dem Regen hinterlassenen Lebensspuren gilt es zu würdigen und möglichst zu erhalten. Darunter befindet sich kerniges Eichenholz, das in seiner leuchtenden Reinheit überrascht. In der Spannung zwischen äußerer Rauheit und innerer Reinheit, zwischen hell und dunkel, Eros und Thanatos liegen die Lebendigkeit und unsere flüchtige Mitte.

Es werden Empfinden und Erfahrungen angesprochen, die jedem von uns bekannt sind. Wer sich der Botschaft öffnet, kann sich in eigene Räume führen lassen. Die Skulpturen wirken dabei wie Meeresschnecken, die wir uns an das Ohr halten: Sie erzählen uns rauschend von ihrem Leben, und doch ist es unser eigenes Blut, das wir darin vernehmen.

Es geht um das Vergehen und Werden, um die Art und Weise menschlicher Begegnung und um das Suchen der Mitte, der eigenen, und das, „was die Welt im Innersten zusammenhält", auch aus christlicher Sicht.

Die Skulpturen bieten mehr, als über die gewohnte Wahrnehmung durch das Auge und eine distanzierte Verarbeitung im Kopf erfassbar ist: Sinnliches. Bei hautähnlich samtig bearbeiteter Oberfläche lädt die Wärme des Holzes zum Befassen mit den Händen ein. „Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen". (Faust an Famulus Wagner)

Walter Green

1952                geboren in Eckernförde, Schleswig-Holstein
1969–70          Lehre als Baumschuler bei Eckernförde
1985–97          freier Landschaftsplaner in Ostholstein mit Projekten in Westafrika
seit 1997         freischaffender Bildhauer
seit 1999         in Klein Rünz, Nordwestmecklenburg

Wenn wir in der Vergangenheit oder Zukunft leben, verpassen wir Gottes Gegenwart im hier und jetzt.