Türmer, Pfeifer und Posaunen - 600 Jahre Musik vom Turm der Kreuzkirche Dresden

Die Sonderausstellung wird am Sonnabend, 18. Juli, 17:00 Uhr in der Kreuzkirche mit Musik der Dresdner Turmbläser festlich eröffnet.

In einer Ratsanweisung der Stadt Dresden aus dem Jahr 1420 werden erstmals drei Stadtmusikanten erwähnt, die für ein Honorar von 16 Groschen pro Person 29 Mal im Jahr in der Kreuzkirche von der Orgelempore spielen. Schon vorher besorgte der Türmer, auch Stadthausmann genannt, das Stundenblasen vom Turm.

In Person des Stadtmusicus Gottfried Heinrich Schnaucke, mit liebevoll gestalteten Details und vielen Hörbeispielen entfaltet die Ausstellung „Türmer, Pfeifer und Posaunen – 600 Jahre Musik vom Turm der Kreuzkirche“ Arbeit, Musik und Alltag der Stadtpfeifer über die kommenden 600 Jahre. Dies alles findet schließlich Eingang in die evangelische Posaunenchorarbeit und die regelmäßigen Auftritte der „Dresdner Turmbläser“ heute.

 

Johann Pezelius (1639-1694) und Gottfried Reiche (1667-1734) gehören zu Sachsens bedeutendsten Stadtpfeifern. Reiche genoss durch sein Spiel in Johann Sebastian Bachs Kirchenmusikorchester besondere Privilegien. Er beherrschte auch das Clarinblasen, eine kunstvolle Form des barocken Trompetenspiels.

Das Choralblasen vom Turm ist eine rein protestantische Tradition, die erst mit der Reformation aufkam. Dem geblasenen Choral kam eine besondere Bedeutung zu, da es eine Art der Predigt darstellte, die über die Häuser hinweg zu den Menschen getragen wurde. Die Gemeinde hörte den Choral und konnte zuhause oder auf der Straße mitsingen oder mitbeten. Dies ist eng mit dem Turmblasen verwoben.

Fünf Jahre dauerte die Lehrzeit eines Stadtpfeifers und war von Musikpädagogik weit entfernt. Wenn die Töne schief klangen, setzte es stattdessen Backpfeifen vom Meister.

Um die vielfältigen Dienste abdecken zu können, musste der Stadtpfeifer von seinem eigenen Jahresgehalt auch Gesellen und Auszubildende entlohnen. Um 1600 verdiente ein Stadtpfeifer in Leipzig 26 Gulden im Jahr. Dafür konnte man vierzig Schweine kaufen – oder eine gute Posaune. Bei Hochzeiten oder anderen privaten Feiern gabt es zusätzliche “Accidentien“.

Pfarrer Adolf Müller (1876 – 1957) leitete als „Sächsischer Landesposaunenmeister“ die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründeten Posaunenchöre. Er belebt zudem die Tradition des Turmblasens der Stadtpfeifer neu. Seine Notenausgaben „Vom Turm“ enthalten Bläserstücke aus der Stadtpfeiferzeit und zeitgenössische Kompositionen. In den Mitteilungsblättern der Evangelischen Posaunenmission macht Adolf Müller Vorschläge zur Gestaltung des Turmblasens.

Seit einigen Jahren musizieren um den Solotrompeter Sebastian Schöne wieder regelmäßig Turmbläser an der Kreuzkirche. Sie spielen zugleich auch in den Posaunenchören der Sächsischen Posaunenmission. Wenn Sie Lust haben und ein Blasinstrument erlernen wollt, freut man sich auf Sie!
_________________________________________________________________________________

Die Sonderausstellung kann bis Juli 2021 im Rahmen der Turmbesteigung besichtigt werden.

Eintritt/Turm:
Erwachsene: 4 Euro
Schüler und Studenten: 2,50 Euro
Kinder 6 bis 14 Jahre: 1,50 Euro
Familien mit Kindern unter 14 Jahren: 8 Euro
Gruppenkarte (ab 10 Erwachsene): 3 Euro
Citycard: 1,50 Euro

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr
Sonnabend, 10 bis 15 Uhr
Sonntag, 12 bis 18 Uhr

Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch.