650 Jahre »Census Sanctae Crucis«

Ein Jubiläum der Kirchenmusik an der Kreuzkirche

Im Jahre 1370 beginnt mit der Nennung des Organisten und des Kantors im »census sanctae crucis«, der ältesten Rechnungsliste Dresdens auf Papier, die schriftlich nachweisbare Geschichte der Kirchenmusik an der Kreuzkirche.

Die Verwaltung des Zolls der heutigen Augustusbrücke machte es möglich, den beiden Kirchenmusikern ein geregeltes Salär zu zahlen und damit einen Grundstock für die Kontinuität, Qualität und Tradition der Kirchenmusik an der Kreuzkirche zu setzen.

Dieses Jubiläum möchte die Kreuzkirche feiern. Da die Kirchenmusiker ihr Gehalt damals quartalsweise zu bestimmten Festen erhielten, werden die entsprechenden Vespern des laufenden Jahres mit Jubiläumsaktionen begleitet:

  • Johannis (27. Juni 2020): Podiumsgespräch zum Jubiläum
  • Michaelis (3. Oktober 2020): Spendenaktion
  • Lucia (13. Dezember 2020) 
  • Walpurgis (30. April 2021)

 

Johannis: Podiumsgespräch zum Jubiläum

Im Anschluss an die Vesper zum Johannisfest fand am 27. Juni ein Podiumsgespräch zum „Census“-Jubiläum statt. Musikjournalist Claus Fischer (MDR) begab sich mit Kreuzorganist Holger Gehring und Dr. Barbara Wiermann (Leiterin der Musikabteilung der sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek) auf eine „Reise zum Beginn von 650 Jahren Kirchenmusik an der Kreuzkirche Dresden“.

„Was hat uns ein solch unscheinbar wirkendes Schriftstück heute noch zu sagen?“, stellte Fischer als Ausgangsfrage in den Raum. Zuallererst, so Dr. Wiermann, sei es ein klarer Quellenbeleg für die Datierung kirchenmusikalischer Geschichte an der Kreuzkirche (die vormals noch Nikolaikirche hieß). Beruhte etwa das 800-jährige Jubiläum des Kreuzchors, das 2016 gefeiert wurde, eher auf der Interpretation der überlieferten Quellen, seien aus dem „Census“-Dokument eindeutige Erkenntnisse über die Anstellungsverhältnisse der mittelalterlichen Kirchenmusiker zu gewinnen.

Der „organista“ im „census sanctae crucis“ von 1370 ist namenlos überliefert. Seine Nachfolger sind zunächst nur mit Vornamen, wie damals üblich, seit etwa der Reformationszeit dann mit vollem Namen nachgewiesen. Da die städtischen Archivalien gut erhalten seien, könne man in den „Bewerbungsunterlagen“ der Musiker deren Lebenslauf erfahren. Es gäbe hier, so Kreuzorganist Gehring, spannende Einblicke in die soziale Herkunft seiner Amtsvorgänger.  

Gehring zeigte sich außerdem fasziniert von den Verbindungen und Gegensätzen städtischer, kirchlicher und höfischer Traditionen. Selbstverständlich habe die Stadt Dresden im Mittelalter ihre Stadtkirche finanziell unterstützt, indem sie ihr den Zoll der heutigen Augustusbrücke zur Verfügung stellte. Laut „census“, der die Brückenamtsrechnungen dokumentiert, wurden u.a. Kantor und Organist aus diesen Einnahmen bezahlt. Noch heute sei diese gegenseitige Verbindlichkeit charakteristisch für Dresden: Der Kreuzchor etwa werde städtisch finanziert, das Kreuzgymnasium sei in kirchlicher Trägerschaft.

„Gab es zwischen Kirche und Hof Konkurrenz?“, wollte Fischer wissen. Vielleicht…, meinte Dr. Wiermann, doch sicherlich auch kreative Stimulation. Wenn internationale Musiker am Hof spielten, oder später im 18./19. Jahrhundert Kruzianer an der Hofoper auftraten, „war das für die Kirchenmusiker eine ganz andere Welt“, die sie wohl inspirierte. Auch wechselten mitunter Kreuzkantoren und Kreuzorganisten an den Hof, etwa der Organist Gustav Merkel; vermutlich wegen schmalerer Pflichten und besserer Bezahlung, wie Gehring mit einem Augenzwinkern bemerkte.

Leider sei die Überlieferung kirchenmusikalischer Dokumente der Stadt Dresden recht lückenhaft, bedauerte Dr. Wiermann; nicht nur wegen der wechselhaften Zeiten von Kriegen und Krisen, sondern auch weil die SLUB keinen Auftrag zur systematischen Lokalisierung und Sicherung habe. Allerdings sei die Sammlung in den vergangenen Jahrzehnten etwa um die bedeutenden Nachlässe von Kreuzkantor Rudolf Mauersberger und Kreuzorganist Herbert Collum ergänzt worden. Partituren, Briefwechsel, Notate, sogar einzigartige unveröffentlichte Tondokumente Collums warten auf ihre Erforschung.

Und Überraschungen gibt es immer wieder: Vor einigen Jahren wurde bei der Restaurierung einer Kabinettorgel im Schloss Pillnitz – eingeklebt als Dichtungsmaterial! – die unbekannte Komposition eines Kreuzorganisten entdeckt.

 

Michaelis: Spendenaktion

Die Kirchenmusik an der Kreuzkirche wurde im 14. Jahrhundert durch den Zoll der Augustusbrücke finanziert. Heute muss selbst ein Kirchenmusikliebhaber nicht mehr fürchten, dort zur Kasse gebeten zu werden. Aber gute Kirchenmusik kostet – damals wie heute.

Feiern Sie deshalb mit uns 650 Jahre Kirchenmusik in der Kreuzkirche und unterstützen Sie uns mit einer "Steuerabgabe"! Als Dankeschön erhalten Sie eine hochwertige, limitierte Urkunde mit einer Reproduktion des mittelalterlichen Dokuments.

Start der Aktion: Vesper zum Michaelisfest (3. Oktober).

Sieh zu, dass du einen guten Namen behältst; der bleibt dir länger als tausend große, goldene Schätze.