Spendenaktion 650 Jahre »Census Sanctae Crucis«

Ein Jubiläum der Kirchenmusik an der Kreuzkirche

Im Jahre 1370 beginnt mit der Nennung des Organisten und des Kantors im »census sanctae crucis«, der ältesten Rechnungsliste Dresdens auf Papier, die schriftlich nachweisbare Geschichte der Kirchenmusik an der Kreuzkirche.

Die Verwaltung des Zolls der heutigen Augustusbrücke machte es möglich, den beiden Kirchenmusikern ein geregeltes Salär zu zahlen und damit einen Grundstock für die Kontinuität, Qualität und Tradition der Kirchenmusik an der Kreuzkirche zu setzen.

Dieses Jubiläum möchte die Kreuzkirche feiern. Da die Kirchenmusiker ihr Gehalt damals quartalsweise zu bestimmten Festen erhielten, werden die entsprechenden Vespern des laufenden Jahres mit Jubiläumsaktionen begleitet:

  • Johannis (27. Juni 2020): Podiumsgespräch zum Jubiläum
  • Michaelis (3. Oktober 2020): Spendenaktion
  • Lucia (13. Dezember 2020) 
  • Walpurgis (30. April 2021)

 

Spendenaktion zu Michaelis

Die Spendenaktion wird im Anschluss an die Vesper zum Michaelisfest (am 3. Oktober) eröffnet!

Im Verzeichnis »census sanctae crucis« wurde einst der Brückenzoll notiert, der beim Überqueren der heutigen Augustusbrücke entrichtet werden musste, und der der Kirchenmusik an der Kreuzkirche zugute kam.
Daran erinnernd werden nun hochwertige Urkunden mit einem Faksimile des mittelalterlichen Schriftstücks in limitierter Stückzahl zu je 25 EUR angeboten. Mit dem Erwerb erhalten die Spender auf direktem Wege die jahrhundertelange Tradition der Kirchenmusik an der Kreuzkirche Dresden.
Die Unterstützer werden entweder auf Wunsch in einem virtuellen „Census“-Buch benannt oder anonym gehalten. Die Urkunden sind in Verbindung mit dem Erwerb einer Konzertkarte künftig auch zu einem ermäßigten Preis erhältlich. 
Spenden können Sie natürlich auch per Überweisung. Nutzen Sie dazu bitte unser Spendenkonto:
Empfänger               Kreuzkirche Dresden Konzertkasse
Bank                        KD-Bank eG
IBAN                        DE64 3506 0190 1605 0000 41
Verwendungszweck „Census“
Vergessen Sie bitte nicht, Ihren Namen und Ihre Adresse anzugeben, damit wir Ihnen die Urkunde und eine Spendenbescheinigung zuschicken können.

Feiern Sie mit uns 650 Jahre Kirchenmusik in der Kreuzkirche und unterstützen Sie uns mit einer "Steuerabgabe"!
Denn: Gute Kirchenmusik kostet – damals wie heute.

 

Johannis: Podiumsgespräch zum Jubiläum

Im Anschluss an die Vesper zum Johannisfest fand am 27. Juni ein Podiumsgespräch zum „Census“-Jubiläum statt. Musikjournalist Claus Fischer (MDR) begab sich mit Kreuzorganist Holger Gehring und Dr. Barbara Wiermann (Leiterin der Musikabteilung der sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek) auf eine „Reise zum Beginn von 650 Jahren Kirchenmusik an der Kreuzkirche Dresden“.

„Was hat uns ein solch unscheinbar wirkendes Schriftstück heute noch zu sagen?“, stellte Fischer als Ausgangsfrage in den Raum. Zuallererst, so Dr. Wiermann, sei es ein klarer Quellenbeleg für die Datierung kirchenmusikalischer Geschichte an der Kreuzkirche (die vormals noch Nikolaikirche hieß). Beruhte etwa das 800-jährige Jubiläum des Kreuzchors, das 2016 gefeiert wurde, eher auf der Interpretation der überlieferten Quellen, seien aus dem „Census“-Dokument eindeutige Erkenntnisse über die Anstellungsverhältnisse der mittelalterlichen Kirchenmusiker zu gewinnen.

Der „organista“ im „census sanctae crucis“ von 1370 ist namenlos überliefert. Seine Nachfolger sind zunächst nur mit Vornamen, wie damals üblich, seit etwa der Reformationszeit dann mit vollem Namen nachgewiesen. Da die städtischen Archivalien gut erhalten seien, könne man in den „Bewerbungsunterlagen“ der Musiker deren Lebenslauf erfahren. Es gäbe hier, so Kreuzorganist Gehring, spannende Einblicke in die soziale Herkunft seiner Amtsvorgänger.  

Gehring zeigte sich außerdem fasziniert von den Verbindungen und Gegensätzen städtischer, kirchlicher und höfischer Traditionen. Selbstverständlich habe die Stadt Dresden im Mittelalter ihre Stadtkirche finanziell unterstützt, indem sie ihr den Zoll der heutigen Augustusbrücke zur Verfügung stellte. Laut „census“, der die Brückenamtsrechnungen dokumentiert, wurden u.a. Kantor und Organist aus diesen Einnahmen bezahlt. Noch heute sei diese gegenseitige Verbindlichkeit charakteristisch für Dresden: Der Kreuzchor etwa werde städtisch finanziert, das Kreuzgymnasium sei in kirchlicher Trägerschaft.

„Gab es zwischen Kirche und Hof Konkurrenz?“, wollte Fischer wissen. Vielleicht…, meinte Dr. Wiermann, doch sicherlich auch kreative Stimulation. Wenn internationale Musiker am Hof spielten, oder später im 18./19. Jahrhundert Kruzianer an der Hofoper auftraten, „war das für die Kirchenmusiker eine ganz andere Welt“, die sie wohl inspirierte. Auch wechselten mitunter Kreuzkantoren und Kreuzorganisten an den Hof, etwa der Organist Gustav Merkel; vermutlich wegen schmalerer Pflichten und besserer Bezahlung, wie Gehring mit einem Augenzwinkern bemerkte.

Leider sei die Überlieferung kirchenmusikalischer Dokumente der Stadt Dresden recht lückenhaft, bedauerte Dr. Wiermann; nicht nur wegen der wechselhaften Zeiten von Kriegen und Krisen, sondern auch weil die SLUB keinen Auftrag zur systematischen Lokalisierung und Sicherung habe. Allerdings sei die Sammlung in den vergangenen Jahrzehnten etwa um die bedeutenden Nachlässe von Kreuzkantor Rudolf Mauersberger und Kreuzorganist Herbert Collum ergänzt worden. Partituren, Briefwechsel, Notate, sogar einzigartige unveröffentlichte Tondokumente Collums warten auf ihre Erforschung.

Und Überraschungen gibt es immer wieder: Vor einigen Jahren wurde bei der Restaurierung einer Kabinettorgel im Schloss Pillnitz – eingeklebt als Dichtungsmaterial! – die unbekannte Komposition eines Kreuzorganisten entdeckt.

 

Zweierlei Gewicht und zweierlei Maß ist beides dem Herrn ein Gräuel.